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Krasse Kontraste in Schwarz auf Weiß, und dennoch voller Poesie: Rosenblüte mit Fineliner und Brushpen. Mehr dazu auf S. 40 in der Ausgabe Nr. 73.

Gekonnt schwarzmalen

Praxistipps und Wissenswertes für Hobbykünstler

Ohne Licht keine Farbe: Pures Schwarz ist das, was man wahrnimmt,
wenn alle Farbtöne fehlen. Zum Verständnis hilft ein wenig Theorie,
davon später. Zunächst aber zur Praxis: Wie wirkt das Schwarz im Bild,
und wie geht man mit dieser unbunten Farbe um?

Am besten vorsichtig und für spezielle Zwecke. Denn in einer farbigen Umgebung kann reines Schwarz leblos und wie ein Fremdkörper wirken. Die wenigsten Dinge der Welt sind wirklich schwarz oder neutral grau; fast überall mischen sich, wie unauffällig auch immer, bestimmte Farbtöne ein.

Beim Malen sollten Sie pures Schwarz deshalb nur sparsam und gezielt einsetzen: am ehesten noch im skizzenhaften und illustrativen Malstil und dann für Konturen oder tatsächlich schwarze Details. Flächen hingegen erscheinen schnell als unnatürliche Flecken oder gar Löcher.

Schwarze Mischungen

Für das Schwarz in der Tube oder im Näpfchen sind schwarze Pigmente zuständig; dieses mehr oder weniger reine Schwarz lässt sich nicht aus anderen Farben mischen und wird auch nur selten wirklich benötigt.

Viel interessanter, lebendiger und auch realistischer ist ein farbiger Schwarzton, den Sie selbst beispielsweise aus Ultramarinblau mit Siena gebrannt mischen können. Sofern Ihre Farbpalette das hergibt, versuchen Sie es auch mit Paynes-Grau und Sepia. Oder Sie mischen Winsor Green (ein leicht bläulicher Grünton) mit Alizarinkarmensin; das ist ein Rotton mit einem Hauch von Violett. Die Zugabe von Ultramarin oder Sepia vertieft das Schwarz. Vor allem beim Aquarellieren können Sie auf reines Schwarz ganz verzichten.

Schwarz für den Untergrund

Als Grundierung sorgt das Schwarz für starke Kontraste zu den hellen Motivfarben. Diese Aufgabe kann auch schwarzes Papier übernehmen; mehr dazu im letzten Newsletter, den wir Ihnen HIER gerne zusenden). Das funktioniert natürlich nur mit deckenden Farben wie Deckfarben, Gouache, Acryl, Pastellkreide oder Ölpastell.

Farbstifte decken den schwarzen Untergrund nicht hinreichend ab, die Farben bleiben stumpf. Um sie dennoch aufleuchten zu lassen, können Sie die entsprechenden Bildteile zuvor weiß oder hell grundieren.

Unentbehrlich ist reines Schwarz selbstverständlich in einem schwarzweißen Bild. Die Grautöne auf weißem Papier entstehen beim Verdünnen der Farbe, beim Zeichnen mit trockenen Stiften durch die Stärke und Dichte der Schraffur.

Auch das dunkelste Grau des Farbstiftes ist nicht neutral, die schwache Tönung bringt Leben in die farbige Szene. Mehr dazu in der Ausgabe Nr. 70. Heft versäumt? HIER können Sie es nachbestellen.

Schatten sind farbig …

… und in der Natur niemals grau oder gar schwarz. Hier spielt vor allem die Objektfarbe mit, die man zum Schattieren vertieft – wiederum nicht mit reinem Schwarz, sondern mit einem dunkleren Ton.

Auch im Schlagschatten wirken die Reflexionen der Umgebungsfarben mit. Wenn Sie sich unsicher sind, wählen Sie einen bläulichen Schattenton, der fast immer passt.

Wenn Sie für tiefste Schatten tatsächlich ein Schwarz brauchen, mischen Sie eine Spur Farbe hinzu. Orange gibt einen wärmeren, Türkis einen kälteren Schwarzton.

Auch das dunkelste Grau des Farbstiftes ist nicht neutral, die schwache Tönung bringt Leben in die far- bige Szene. Mehr dazu in der Ausgabe Nr. 70. Heft versäumt? HIER können Sie es nachbestellen.

Was sieht man, wenn man keine Farben sieht?

Da hilft es, sich daran zu erinnern, wie wir Farbe wahrnehmen – nämlich durch das Licht, das zum Beispiel von einem Malstrich reflektiert wird. Ein Lichtstrahl selbst ist unsichtbar, enthält aber sämtliche Farben in Form von elektromagnetischen Wellen unterschiedlicher Länge. Diese kommen erst zur Wirkung, so- bald das Licht auf ein Objekt trifft und von diesem zurückgestrahlt wird. Jetzt kommt es auf die farbliche Beschaffenheit der Oberfläche an.

Trifft der Lichtstrahl beispielsweise auf eine rote Fläche, werden nur bestimmte – in diesem Fall rote – Anteile reflektiert. Diese aktivieren im Auge die für die Farbe Rot zuständigen farbempfindlichen Zäpfchen, die den Reiz an das Sehzentrum im Gehirn melden. Dort entsteht der rote Farbeindruck.

„Weißes“ Licht enthält zunächst alle Wellenlängen so, dass kein bestimmter Farbton dominiert. Erst wenn der Lichtstrahl durch ein Prisma fällt, fächern sich die im Weiß enthaltenen Farben auf. Dies geschieht auch im Regenbogen, dessen Tropfen im Sonnenlicht wie kleine Prismen wirken. Naturgemäß enthalten die Regenbogenfarben weder Weiß noch Schwarz.

Eine weiße Oberfläche strahlt diese weiße Mischung mehr oder weniger unverändert zurück: Weiß ist die Mischung aller Farbtöne, Schwarz ihre Abwesenheit.

Wieso kann ein schwarzer Pinselstrich Licht und Farbe verschlucken?

Das hat mit dem Strom von Lichtteilchen zu tun, den sogenannten Photonen, die in jedem Augenblick in unfassbarer Menge auf ein Objekt treffen. Um eine Vorstellung davon zu bekommen: Auf einem mit schwarzer Farbe gedruckten i-Punkt sind das einige Billionen pro Sekunde. Die spezielle Struktur schwarzer Farbe fängt sie sozusagen ein, und nur ein Bruchteil des Lichts wird zurückgeworfen. Vielmehr prallen die Photonen zwischen den Molekülen so lange hin und her, bis sich ihre Energie in Wärme verwandelt hat. Das ist auch der Grund, warum die Sonne eine schwarze Oberfläche stärker erwärmt als eine helle.

Kohlenstoff als Farbenschlucker

Es gibt eine Reihe von Pigmenten, die schwarze Farbe liefern. Zu ihnen gehört, wenig überraschend, Kohlenstoff (Karbon), sozusagen der perfekte Farbenschlucker. Früher kratzte man das sogenannte Lampenschwarz als Ruß vom Blech der Öllampen oder Talglichter ab. Heute gewinnt man ein vergleichbares Schwarz bei der unvollständigen Verbrennung von Öl oder Gas oder – als Mars- schwarz – aus verrostetem Eisenschrott.

Aufwendiger war und ist die Herstellung von Beinschwarz, das beim Verschwelen (heute Destillieren) ausgekochter Knochen entsteht. Als tiefstes und teuerstes Schwarz galt das Elfenbeinschwarz, das früher tatsächlich aus verkohlten Stoßzähnen von Elefanten gewonnen wurde; heute verwendet man dazu Tierknochen.

Das Ergebnis ist fast reiner Kohlenstoff, der die Zeichenkohle ebenso schwärzt wie traditionelle Tusche, und der auch im Grafit der Bleistiftmine erhalten ist. Je höher der Anteil an Grafit ist, desto weicher die Mine und desto schwärzer der Strich – extrem in Bleistiften ab 8B (B für Black), die aber immer noch einen leichten Stich ins Metallische haben.

Wenn es noch schwärzer sein soll, ist der superweiche und superschwarze Bleistift Mars Lumograph Black 100B von Staedtler in den Härtegraden bis 12B eine Empfehlung wert. Dieses Schwarz enthält höherer Anteile von Karbon und reicht fast an Zeichenkohle heran, die den tiefsten aller natürlichen Schwarztöne liefert. Doch selbst in einer kohlschwarzen Fläche bleibt immer noch eine gewisse Struktur und eine schwache Tönung sichtbar.

Zuletzt das Superschwarz …

Vollkommen schwarz ist nur das in einem hochtechnischen Verfahren erzeugte Vanta-Schwarz. Diese Industriefarbe wurde für militärische Zwecke entwickelt und absorbiert sage und schreibe 99,96 Prozent des Lichts, sodass sich darin überhaupt keine Formen oder Texturen erkennen lassen. Das Patent für diese Malfarbe gehört dem britischen Künstler Anish Kapoor. Seine Schwarzmalerei kann man kaufen, nicht jedoch diese schwärzeste Farbe der Welt.

Eine Büste rechts im Original, links mit einem vanta-schwarzen Anstrich, der alles Licht verschluckt: Die Plastik wird zum schwarzen Schattenriss.

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Freude am Zeichen und Malen Ausgabe 73 Titel
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Freude am Zeichen und Malen Ausgabe 72 Titel
Hier eine kleine Vorschau mit Blick auf das Handwerkszeug, das wir Ihnen für spezielle Heftthemen empfehlen. Zunächst zum Aquarell von Gilbert Declerqc, das Sie oben sehen: So wie die Boote im Abendlicht ebenso realistisch wie stimmungsvoll vor sich hin, das sieht schon recht anspruchsvoll aus.
Freude am Zeichen und Malen Ausgabe 73 Titel
Wenn Sie eine Bildidee im Kopf, den Stift in der Hand und ein leeres weißes Blatt vor sich haben: Vielleicht verdient – oder braucht – das Motiv zunächst einen Farbgrund? Mit diesem spannenden Thema befassen wir uns auch in der nächsten Ausgabe von „Freude am Zeichnen & Malen“. Hier ein kleiner Überblick.

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